Denken Sie nicht so viel nach.

Da hat die Tüte aber mal Recht! Das ist mein erster Gedanke, als mein Blick an dem Denken – Tütenspruch hängenbleibt, mich gefangen nimmt und in der Folge ein gedankliches wildes Feuerwerk zündet. (Ob dem Diogenes-Verlag wohl bekannt ist, dass der weniger – Denken – Spruch zu einer Überproduktion von Gedanken führen kann?!). Aber fangen wir am Anfang an: Das Lieblings – BuchCafe macht Urlaub und deshalb bin ich heute noch mal schnell hin. Auf einen Plausch, um BC – Atmosphäre aufzunehmen und zu speichern für schlechte Momente und für einen kalten Kaffee „ohne alles“. Yes, kalter Kaffee ohne absolut jedes drumherum und drin (keine Milch, kein Vanilleeis und keine Sahne). Mein wilder Getränkeliebling in diesem Sommer! (Probiert mal :-)) Ich sitz also so an der BC – Theke (nicht mein gewohnter Sitzplatz, aber heute war mir mal nach Veränderung und einem neuen Blick), stöbere mit den Augen durch die Regale und ganz oben steht da dick und breit die Diogenes – Tüte und verkündet ihre Gedanken – Weisheit!

Mein zweiter Gedanke: Wenn das so einfach wäre! Und: Irgendwie wollen wir das ja alle – weniger Denken. Warum eigentlich? Was ist dann anders (besser)? Und warum ist weniger Denken so schwer? Bereits mehrmals in meinem 52. jährigen Leben ist mir die Aussage untergekommen, dass Männer (angeblich) weniger bis gar nichts Denken können. Krass, denke ich. Wie machen die das und wie fühlt sich das an? Und: Ist das wirklich so schlau? Und wie fühlt sich das wenig – nichts – Denken an? Was ist dann da stattdessen? Ich notiere mir gedanklich, den wilden Mann dazu mal zu interviewen, wenn er wieder da ist. Das sieht nach einer Lern – Chance aus.

Dürfte nicht überraschen: Ich tue mir eher schwer mit dem weniger Denken. Ich bin eine bekennende Vieldenkerin! Ich finde Denken sympathisch, gut und sinnvoll. Und ich kann das richtig toll! Ich kann zu (fast) jeder Tag- und Nachtzeit alles rauf und runter Denken. Ich kann so ziemlich jede Form von Denken: Nachdenken, vordenken, durchdenken, mitdenken, neudenken, andersdenken, mutigdenken, schwarzdenken und zerdenken,… Denken hat viele Vorteile. Es gibt Halt und Sicherheit, macht die Dinge berechen- und planbarer. Denken lässt uns Selbstwirksamkeit erleben und ist die Basis für Weiterentwicklung. Ganz nach dem berühmten Grundsatz: Ich denke, also bin ich! Ja, da kann ich gut mitgehen. Natürlich hat das viel und gut Denken können auch heftige Nachteile. Denken kann es schwer machen, strengt an, kostet Energie und Nerven. Denken kann Angst machen, mutlos machen und das Fühlen in die Ecke drängen. Vieldenker*innen wie ich laufen Gefahr zu glauben, dass das Denken wichtiger sei als das Fühlen. Ich sags ja nicht gern, aber: Das ist es nicht! Vielleicht ist das „auch – Fühlen“ sogar viel gesünder und wichtiger als das „nur – Denken“. Wer weiß…

Vielleicht ist die Denken – Tüte im BC – Regal genau mit dieser Botschaft unterwegs: Denkt nicht so viel. Denk nicht nur. Denk nicht zu viel. Mach auch mal was anderes. Fühl mal! Mach (einfach) mal! Denken ist toll, aber fühlen ist mega toll, mutig, krass und wichtig, damit du DU sein und werden kannst. Erliege nicht dem Irrtum, zu glauben, das Leben würde nur aus Denken bestehen (auch wenn es oft danach aussieht). Leben ist Fühlen, Machen und Denken. Leben ist spüren. Leben will gedacht, aber wohl vor allem gefühlt werden. Während ich das hier schreibe, denke ich: Oha, dass mit dem Leben und dem Spüren und Fühlen ist echt eine krass – mutige (Lebens-) Aufgabe. Aber das liest und hört sich echt an! Für die Vieldenker*innen stellt sich nun also die Frage: Wie geht das mit dem weniger Denken denn nun genau? Ich könnte nun auf den Wilden Mann warten um ihn zu fragen – aber wie wir bereits wissen: Ich kann das mit dem Denken gut und denke gerne selbst.

Unser Fühlen ist immer bei und in uns. Wir können immer spüren – in uns hinein und um uns herum. Wir fühlen Gefühle und spüren Körperempfindungen. Fühlen und Spüren ist unser verlässlicher Begleiter; immer und überall. Eigentlich können wir nicht nicht – fühlen und -spüren. Wir können nur ignorieren, drübergehen, klein- und wegreden. Vielleicht geht es dann darum, dem Spüren Raum zu geben, Beachtung zu schenken und zu Trauen. Und wie geht das? Üben! Viel üben – immer und überall! Anhalten, Innehalten und dem Gefühlten Gewicht und Bedeutung geben. Gerade dann, wenn es mir eher schwerfällt und ich vielleicht sogar ein wenig Respekt vor der Gefühlssache habe. Das Denken brauch ich nicht mehr üben. Das kann ich gut und manchmal vielleicht sogar viel zu gut.

Die Denken – Tüte ist eine Erinnerung und Einladung an dich und mich unbedingt auch zu fühlen, zu spüren und einfach mal zu machen. Denken ist gut, aber passend ist es eben erst, wenn sich das Gedachte dann auch noch echt und richtig anfühlt! Neben dem Denken braucht es ganz unbedingt das Fühlen! Also dann fühl mal und mach mal! 🙂

Danke an die Tüte 🙂

© Katjenka Wild