Der Krisendienst – Lieblingskollege steigt demnächst aus. Auszeit! Mal ganz raus, ab-, weg- und untertauchen. Einfach mal die Pausetaste lang gedrückt halten – in diesem Fall ganze 5 Monate. Der Plan ist ohne Plan zu sein, berichtet der Lieblingskollege und ich beglückwünsche ihn zu seiner geplanten Planlosigkeit. Das klingt toll! Und spüre sofort ein „Krass“ und „Ich brauche sowas nicht!“ in mir. Je näher die Weg – Zeit des Kollegen allerdings kommt (in wenigen Wochen ist es soweit), desto deutlicher spüre ich ein leises Ruckeln und Ziehen in mir.
Will ich etwa auch eine ohne – Plan – Zeit? Das kann nicht sein. Ich habe Katlll – superwoman in mir und auf die ist (meistens) Verlass. Wir können immer. Arbeit ist unser Leben. Wir arbeiten gerne und gerne viel. Das sind wir und dafür sind wir inzwischen ja auch berühmt und berüchtigt. Wenn wir sehr ehrlich zu uns sind, sind wir (Katlll – superwoman und ich) auch noch ziemlich stolz auf diesen (zweifelhaften) Ruf. Ich ohne Arbeit? Unvorstellbar. Mal eine Woche „ohne“ ist voll okay, aber dann ist auch schon wieder gut. Schließlich praktiziere ich seit einigen Jahren sehr erfolgreich die Katlll – Urlaubs – Challenges. Das muss doch reichen, oder? Und da ruckelt es wieder ganz beharrlich – zart und etwas flüstert leise in mir: Vielleicht ist unser „brauch ich nicht“ eigentlich ein „kann ich nicht“… Da ich ja schon von Berufswegen inneres Ruckeln jeglicher Art sehr ernst nehme (erzähle ich schließlich jeden Tag meinen Klient*innen) wage ich es und gebe dem leisen Flüstern in mir immer mal wieder Raum und höre ihm zu. Mein bewährter Umgang mit inneren Rucklern.
Eine Wilde Auszeit: Was würde das bedeuten für meine Arbeit? Wie sollte das mit der wilden Familie überhaupt gehen? Und mit all den Verpflichtungen und Verbindlichkeiten, die man so hat? Wovon lebt man denn in so einer Zeit? Kann ich ohne Arbeit? Und wer bin ich überhaupt ohne meine Arbeit? Wie würde eine wilde ohne – Plan – Zeit aussehen? Und: Darf man das überhaupt? Ist man dann undankbar oder noch schlimmer: Ist das ein Hinweis auf Schwäche? Was sagen die anderen dazu? Ich kann euch sagen: An dieser Stelle wird Katlll – superwoman immer sehr hektisch und leicht – panisch laut. Scheint sie ein wenig unruhig – konfus zu machen, diese ohne – Plan – Sache. Was taucht also in mir auf, wenn ich mir das „ich kann“ erlauben würde…
Weite, Freiheit und Unabhängigkeit! Mir selbst und dem was in mir ist, einfach folgen können. Ziel: Offen! Koffer packen und erstmal weg. Amsterdam, Malmö, Irland, London, Norwegen, Dänemark,… In einem Leuchtturm wohnen, in einem Baumhaus schlafen, Halbinsel – Leben, in einer Buchhandlung übernachten,… Neues entdecken und mutig sein. Meine mir selbst gesetzten Grenzen überprüfen und herausfordern. Vielleicht kann ich ja noch ganz anders, als das was ich von mir selbst zu kennen glaube. Vielleicht bin ich nicht nur Katlll – superwoman (könnte ja sein…). Oder – sehr unwahrscheinlich – aber vielleicht gäbe es eine Ruhe – Katlll, die von Arbeit und Leistung genug hat, und der danach ist es jetzt auch gut sein zu lassen… Die sich neben Katlll – superwoman setzt, ihre Hand nimmt und ihr sagt, dass sie gerade nicht „muss“ und trotzdem wichtig ist. Kleine Auszeiten für Katlll – superwoman, die für sie auch okay sind! Was für eine herrlich – berührende Vorstellung. Das gefällt mir sehr! Mir ist so als könnte ich Ruhe – Katlll fast schon ein wenig spüren. Und vielleicht ist sie es, die da in mir ruckelt und die den Plan – ohne – Plan ziemlich toll findet. Die aber vor allem dem (noch) überzeugtem „brauch ich nicht“ in mir immer wieder die Stirn bietet. Das macht Ruhe – Katlll gerade ziemlich gut. Die weiß wie’s geht!
Neulich saß ich mit dem Auszeit – Kollegen zusammen und wir sprachen mal wieder über den Plan keinen Plan zu haben (was gar nicht so einfach ist wie es sich anhört). In der Diskussion über die Herausforderung loszulassen (das muss man nämlich, wenn man den Plan hat ab- und wegzutauchen) habe ich gesagt: „Ich glaub ich will das eigentlich auch, aber ich kann noch nicht.“ Da war ich doch sehr verwundert über meine eigene getätigte Aussage. Hört sich ein wenig nach Ruhe – Katlll an…
Was für ein Glück, dass der Kollege die Pausetaste drückt, direkt vor meiner Nase und meiner superwoman. Denn so kann ich mein „ich kann nicht“ hinter meinem „brauch ich nicht“ entdecken und meine Ruhe – Katlll kennenlernen. Und wer weiß, vielleicht gibt es auch für mich irgendwann mal einen Plan – ohne – Plan. Dann auf die wilde Art.
© Katjenka Wild
